Fachvorträge zur Halleneinweihung
Am Samstag, den 31. Mai 2025, feiert naturbo in Görisried die Einweihung der neuen Produktionshalle – begleitet von einem hochkarätigen Rahmenprogramm. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Referentinnen und Referenten aus Architektur, Handwerk und Politik sowie ausgewählte Zitate und Textpassagen aus ihren Vorträgen.
Keynote Vorträge
- 15:45 Uhr: „Einfach(er) Bauen mit Holz – Chancen durch die neue Muster-Holzbaurichtlinie“ (Textauszug aus dem Vortrag s.u.)
Dr. Michael Merk, Akademischer Oberrat am Lehrstuhl Holzbau und Baukonstruktion, Mitglied der Geschäftsführung am MPA BAU PKI, Technische Universität München, Prüfsachverständiger für Brandschutz, Ingenieurbüro FIRE & TIMBER .ING GmbH, München
- 16:15 Uhr: „Low Tec - High Nature: Nachhaltigkeit als Entwurfsprinzip“ (Textauszug aus dem Vortrag s.u.)
Martin Haas, Architekturbüro haas cook zemmrich, Vizepräsident der DGNB
- 17:45 Uhr: „Klimagerechtes Bauen – Vom Heizen zum Kühlen?“ (Textauszug aus dem Vortrag s.u.)
Prof. Thomas Auer, Transsolar Energietechnik GmbH & TU München
- 18:10 Uhr: „naturbo auf dem Weg in die Zukunft“ (Textauszug aus dem Vortrag s.u.)
Andreas Tanner und Michael Weihele, Geschäftsführung naturbo
- 18:40 Uhr: Festrede (Zitat aus der Rede s.u.)
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger
Rund um das naturbo-Produktsortiment:
- Fachvortrag „naturbo: Ökointelligent bauen und sanieren“
Andreas Tanner und Michael Weihele, Geschäftsführung naturbo
Präsentation der Produktneuheiten:
- Erste Brandschutzplatte mit Lehmputz
- Serielle Großformat-Lehmbauplatten
- CO₂-negative Lehmbauplatte
Presse
Über eine redaktionelle Begleitung freuen wir uns. Nutzen Sie und Ihre Redaktion die Gelegenheit für Interviews, O-Töne, Fotos und Hintergrundgespräche. Gerne vermitteln weiterführende Kontakte für Ihre Berichterstattung.
Textauszüge aus den Keynote Vorträgen:
1. Fachvortrag „Einfach(er) Bauen mit Holz – Chancen durch die neue Muster-Holzbaurichtlinie“
Dr. Michael Merk
(Textauszug aus dem Fachvortrag)
Betrachtet man in Bayern den derzeitigen Gebäudebestand, so umfassen 45 Prozent der Gebäude mehr als 5 Wohnungen. Genau für diese mehrgeschossigen Gebäude benötigt es im Kontext des ökologischen und nachhaltigen Bauens ein einfaches und effizientes Regelwerk. Mit der neuen Muster-Holzbaurichtlinie wurde ein Meilenstein hierfür gelegt. Die Richtlinie bietet ein vollständiges Handwerkszeug für die Planung Bemessung, und Ausführung von Neubauten, Aufstockungen, Nachverdichtungen, energetischen Sanierungen und Gebäuden in Modulbauweise. Sie umfasst das Bauen in Holz bis zur Hochhausgrenze, also rund acht Geschosse.
Die MHolzBauRL ist im Wesentlichen zweiteilig zu sehen. Neben der Konkretisierung der baurechtskonformen Holzbauweisen bis zur Hochhausgrenze regelt sie auch die Außenwandbekleidung von Gebäuden unter Verwendung brennbarer Baustoffe. Im Rahmen der Konkretisierung der Bauweise werden Anforderungen an die notwendige (Brandschutz-) Bekleidung von tragenden und aussteifenden sowie raumabschließenden Bauteilen definiert. Diese Konkretisierungen umfassen auch Vorgaben für Installationsführungen in Bauteilen, Systematiken zu Fügungen und Anschlüssen sowie Vorgaben zur bautechnischen Nachweisführung des Feuerwiderstandes und der Brandschutzbekleidung.
Gegenüber der Vorgängerversion von 2020 wurden zahlreiche Erleichterungen, wie z.B. deutlich reduzierte Bekleidungsdicken erreicht. Dies ermöglicht zum einen ressourceneffizienter zu bauen, zum anderen steigert dies auch die Wettbewerbsfähigkeit zu den konkurrierenden Bauweisen. Mit der Fortschreibung wurde auch der Weg in die Sonderbauten geöffnet. Einzig Gebäude mit planmäßiger Nutzung von nicht „selbstrettungsfähigen“ Personen bleibt derzeit noch außerhalb des Anwendungsbereichs.
Die Grundlage für das mehrgeschossige Bauen ist bereits in allen 16 Bundesländern Deutschlands durch die entsprechenden Textstellen in den Landesbauordnungen gelegt. Nach der Veröffentlichung der Muster-Holzbaurichtlinie sowie der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen im Mai 2025 sind nun die einzelnen Bundesländer gefragt, schnellstmöglich diese Muster-Regelungen in ihr Landesrecht zu überführen.
2. Fachvortrag „Low Tec – High Nature: Nachhaltigkeit als Entwurfsprinzip“
Martin Haas
(Textauszug aus dem Fachvortrag)
Die aktuelle Debatte um eine verantwortbare Lebensqualität ist auch Ausdruck eines grundlegenden Wandels unserer Gesellschaft, der über die Themen des Umweltschutzes und der Klimakrise hinausgeht - Es gilt Mensch, Raum und Umwelt wieder in Einklang zu bringen.
In Deutschland steht noch immer der Betrieb des Gebäudes im Vordergrund. Oftmals reduziert sich Nachhaltigkeit auf eine effiziente Anlagentechnik. Anstatt hochkomplexer technischer Systeme, deren Abstimmung und Wartung sehr aufwendig ist, sollten wir eher über einen „intelligenten“ Einsatz sorgfältig ausgewählter Materialien nachdenken und dabei anstreben technische Lösungen zunächst zu vermeiden. Ziel muss sein unsere Gebäude generell zu vereinfachen mit dem Augenmerk auf eine langfristige Nutzung.
Unser Entwurfsprozess beginnt zumeist mit einem 1. Ansatz, der durch eine geschickte Orientierung und Anordnung der Funktionen alle mikroklimatischen Vorteile seines Umfeldes optimal nutzt. Wir prüfen die Standortqualitäten für die Belichtung, Belüftung und Ressourcenbeschaffung.
Wie müsste man an dem Standort bauen, wenn wir keine Energiequellen zur Verfügung hätten und alle Rohstoffe extrem limitiert sind?
Zumeist hilft es, eine robuste, einfache Lösung zu finden, welche dann auch in der Weiterentwicklung mit weniger Technik auskommt und in den Grundzügen schon gegen das Klima entwickelt wurde. Alle Technik, die dann noch benötigt wird, sollte immer additiv und veränderbar gedacht werden um das gefundene Grundgerüst der Architektur nicht damit zu überfrachten.
Es muss uns gelingen, dass an erster Stelle ein materialgerechtes, mikroklimatisch optimiertes und möglichst ressourcenneutrales Gebäude entsteht, welches einen Großteil an grauer Energie von Anfang an vermeidet. Nachwachsende, möglichst örtliche und wieder verwertbare Baumaterialien behalten ihr energetisches Potential bei einer Nachnutzung dauerhaft und sollten die Grundlage für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer Baumaßnahme werden.
In unserem Architekturbüro arbeiten wir seit 12 Jahren an Konzepten für eine Architektur die ressourcenschonender und im Idealfall klimaneutral werden kann. Unser Fokus liegt dabei nicht nur in baulichen Lösungen, sondern auch in der Betrachtung grundsätzlicher Fragen wie dem Bedarf und dem Anspruch an Komfort und langfristigen Nutzen an unsere gebaute Umwelt.
3. Fachvortrag „Klimagerechtes Bauen – Vom Heizen zum Kühlen?“
Prof. Thomas Auer
(Textauszug aus dem Fachvortrag)
Gebäude verbrauchen im Betrieb häufig mehr Energie als prognostiziert und/oder erreichen nicht die avisierte Aufenthaltsqualität. Dies ist nicht zuletzt auf die Komplexität der Gebäude zurückzuführen. Gleichzeitig zeigt der Klimawandel bereits jetzt, dass der Komfort im Sommer zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Einfach Bauen“ hat zum Ziel, die Komplexität im Bauen zu reduzieren und Komfort mittels Architektur zu erzielen. Hierfür ist die Materialwahl, aber auch Parameter wie der Fensterflächenanteil von Bedeutung. Einfach Bauen bezieht sich sowohl auf die technische Gebäudeausrüstung, als auch auf die Architektur. Aufbauend auf den Ergebnissen des Forschungsclusters «einfach bauen» der TU München wurden in Bad Aibling von der B&O Gruppe drei Forschungsgebäude gebaut (Entwurf: Florian Nagler Architekten). «Ziel von einfach bauen ist es, den Anfangspunkt zu einer neuen, gegenläufigen Bauentwicklung zu markieren und so einen wichtigen Impuls in der deutschen Bauwirtschaft zu setzen» (www.einfach-bauen.net). Die in der theoretischen Forschung entwickelte Hypothese zur Robustheit wird in der Praxis überprüft und die Ergebnisse aus dem ersten Betriebsjahr präsentiert. Darüber hinaus zeigt ein Ausblick, wie die Erkenntnisse auf andere Bauaufgaben – vor allem die Transformation des Bestands (seit Herbst 2023 wird dies in dem Forschungsprojekt «einfach umbauen untersucht) – übertragen werden können.
4. Fachvortrag „naturbo – Auf dem Weg in die Zukunft“
Andreas Tanner & Michael Weihele
(Textauszug aus dem Fachvortrag)
Um sich für die Zukunft strategisch richtig zu positionieren, hat das Unternehmen sein Werteset definiert, an dem es das künftige Handeln ausrichtet und das auch die Richtlinie für künftige Produktentwicklungen vorgibt. naturbo steht für Ökologie & Nachhaltigkeit, für Gesundheit & Raumklima, für Bodenständigkeit & Praxisnähe und last but not least für Bezahlbarkeit. Deshalb versteht man bei naturbo unter Ökointelligenz nicht nur die Ökologie, sondern auch die Ökonomie. Auf Basis der Werte werden bei naturbo derzeit neue Produkte entwickelt:
ClayCarbon-Oberfläche: diese wird ergänzend und alternativ zum bisherigen Lehmputz angeboten. Dabei wird Pflanzenkohle in den bisherigen Lehmputz gemischt. Auf diese Weise werden die naturbo CC-Platten nennenswert CO2-negativ. Als Ziel ist angestrebt, dass ein Quadratmeter Lehmplatte das CO2-Äquivalent von 9,4 l Diesel binden kann.
ClayInstall-Platte: diese großformatige Platte wird für den seriellen Holzbau konzipiert. Sie punktet nicht nur aufgrund ihrer Größe (600/1.200 mm breit und raumhoch nach Vorgabe), sondern vor allem durch die Kombination aus integrierter Installationsebene und vollflächiger, 10 mm starker Lehmputzschicht.
FireProtect-Platte: hier nutzt naturbo seinen Vorteil, als einziger Hersteller Platten im Sandwichaufbau herzustellen. Die sonst bei naturbo übliche Holzweichfaserplatte wird ersetzt durch eine Steinwollplatte, die bereits den kompletten Brandschutz mitbringt. Der Lehmputz sorgt dann für das berühmte, natürliche Raumklima.
5. Festrede des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger
(Zitat aus der Rede)
„Während viele am Standort Deutschland erst mal abwarten, setzt naturbo ein Zeichen: Man investiert hier vor Ort – das Doppelte des Jahresumsatzes! Das Unternehmen beweist, dass ökologisches Bauen und bezahlbare Preise kein Widerspruch sein müssen. Genau dieser Unternehmergeist bringt unsere bayerische Wirtschaft voran.“